Texte edieren

Edition ist die erschließende Wiedergabe historischer Dokumente

Sahle, erstmals 2000; Vom editorischen Fachwissen, 2002
https://www.i-d-e.de/themen/editorik/

  • „erschließende“ – Erschließung ist der allgemeine Begriff für die historisch-kritische Auseinandersetzung mit den zu edierenden Texten bzw. Dokumenten. Ein spezieller Teilbereich der Erschließung ist z.B. die philologische Textkritik.
  • „Wiedergabe“ – Die Edition zielt auf die Repräsentation bereits existierender Texte bzw. Dokumente.
  • „historischer“ – Die Edition beschäftigt sich mit Texten bzw. Dokumenten, zu denen eine historische Distanz besteht. Diese Distanz ist konstitutiv für die Anwendung erschließender Kritik. Ihre Überwindung ist das Ziel der Edition.
  • „Dokumente“ – Das „Dokument“ ist ein verallgemeinernder Begriff für Texte in einem abstrakten oder materiell-konkreten Sinne. Der allgemeinere Dokumentbegriff verweist darauf, dass die verschiedenen editorischen Schulen und ihre theoretischen Grundannahmen in einem pluralistischen Textbegriff methodisch zusammengeführt werden können.

Das Sahle'sche Textrad

Texte digital edieren

Eine digitale Edition ist dadurch bestimmt, dass sie nicht ohne wesentliche Informations- und Funktionsverlusteverluste in eine typographische Form gebracht werden kann.

Sahle, Digitale Editionsformen, Bd. 2, S. 149

Arbeitsschritte

  • Transkribieren
  • Markup einbringen
  • Annotieren / Kommentieren
  • Verknüpfungen herstellen

Editionsarten

  • dokumentarische Edition
  • Edition als "knowledge site"

Funktionalitäten (intern)

Funktionalitäten (extern)

  • Überprüfbarkeit
  • Datenaustausch

Markup einbringen: Die Technik: XML (eXtensible Markup Language)

  • Inhalt, Struktur und Aussehen trennen
  • Semantik explizit machen
  • editorisches Handeln dokumentieren
  • Standardisierung nach der Text Encoding Initiative, www.tei-c.org

Ein XML-Beispiel

<element attribut="attributwert">Elementinhalt</element>

Besonderheiten der Kodierung

  • Textfluss mehrdeutig (<choice>)
  • 'Sinn' ergibt sich erst aus dem Zusammenspiel mit Verarbeitungsanweisungen
  • statische vs. dynamische Edition → Apparat-Kodierung vs. Apparat-Generierung

Erschließung

Um Texte semantisch nutzbar zu machen, sollten (mindestens) Referenzen auf (=Erwähnung von) Entitäten ausgezeichnet und möglichst mit Normdaten verknüpft werden.

Normdatenarten

  • kontrollierte Vokabulare → z.B. Gemeinsame Normdatei (GND)
  • für alle Entitäten
  • neue Entitäten: Handschriften, Werke

Digitale Objekte als 'selbständige' Objekte

  • Semantic Web → Linked Open Data (LOD)
  • Digital Autonomuous Cultural Object (DACO) → Thaller

Veränderungen

  • abstrahierende Arbeitsweise
  • Mashup → Anschlussfähigkeit durch Normdaten (z.B. Beacon)
  • Projektplanung → ID-Bildung, für Referenzierung
  • Postmoderne Literaturtheorie
    → Leser als Autor der Edition vs. "gesichertes Wissen"
  • Zukunft des Annotierens → IIIF → Forschungsumgebung
  • How to read a million books → distant reading
  • Lizensierung → CC / OA vs. Open Content

Herausforderungen → Qualitätsmanagement

  • Absprachen zwischen inhaltlichen Bearbeitern und technischen Betreuern
  • inhaltliche Kontrolle → Schemata
  • technische Kontrolle → kontrollierte Vokabulare

Was wird archiviert, Langzeit-verfügbar gemacht?

  • Bitstream, Aussehen, Funktionalität, Gesamtumgebung
  • Edition = Software = Einheit von Inhalten, Strukturen, Oberflächen
  • Formatvielfalt → "Single-Source-Prinzip"
    Präsentation, Suche, Archiv, Datenaustausch

Entscheidungen

  • Publikationsprozess
    • Abgeschlossenheit → neue alte Publikationskultur
    • Mikropublikation → IIIF, HSP
  • Review-Kultur → inhaltliche und technische Begutachtung
  • Kritik der digitalen Vernunft → digitale Quellenkritik

<Ende/>